Es ist nun etwa 10 Monate her, daß
ich meine arme kleine Bandit auf dem Nürburgring mit ca.
130 aus einer Kurve geschmissen habe.
Gestern wagte ich -gestärkt mit nun 80 statt wie letztes
Jahr 34 PS und einem schon lange wieder reparierten Motorrad,
erstmals eine Wiederbegegnung mit der "Grünen Hölle"...
Auf dem gestrigen Heimweg von der
Arbeit, ließ mich mein über die letzten sechs moppedfreien
Tage doch recht stark angestiegener Benzingehalt im Blut intensiv
darüber nachdenken, was man denn mit dem angebrochenen Nachmittag
so anstellen könnte :o). Nachdem meine Gedanken ihre Nahrung
noch teils im Bergischen, teils am
Ruhrsee suchten, erinnerte ich mich an mein schönes Geburtstagsgeschenk
in Form von Freifahrtscheinen für zwei Runden "Grüne
Hölle", beziehungsweise Grünen Himmel, wie Helmut
Dähne zu sagen pflegt.
Zu Hause angekommen, versuchte ich dann noch, mir einige Spielgefährten
für das geplante Unternehmen zu erwärmen, doch dieseVersuche
blieben leider erfolglos und so machte ich mich nach ein paarBier
... ährm , das glaubt Ihr doch wohl nicht im Ernst, oder
:o) .... also nach ein paar Gläsern Apfelsinensaft auf die
beschwerliche, aber vielversprechende Reise richtung Eifel.
Beim Anwerfen begrüßte mich mein Baby auch gleich mit
den mir in letzterZeit gar nicht mehr so überraschend erscheinenden
Rauchwolken. Hoffentlich machts die Mühle noch ne Weile!
Nach einer mir endlos erschienenen Autobahnfahrt, gönnte
ich mir auf dem Weg nach Dernau an diesem wunderschönen Rentner-und
Tourenschwuchtelaussichtsplatz eine kleine Pause mit Blick aufs
Ahrtal.
Wunderbar!
Noch wunderbarer war das Ergebnis
meines kleinen Versuchs, welcher darin bestand, den Motor im Leerlauf
mal für 2-3s auf 8000-10000 U/min zu bringen um zu schauen,
wie
hoch denn so die Ölauswurfrate ist. Überraschenderweise
sah ich statt weiß-blauen Qualm nur noch flimmernde Luft.
Vielleicht war jadoch nur etwas zu viel Öl drin, was jetzt
endlich rausgedrückt wurde. Mit einem durch dieses Ergebnis
hervorgerufenen, etwas besserem Gefühl im Bauch, stellte
ich mich auf dem restlichen Weg zum Ring schon mal auf das auf
selbigem geplante Marschtempo ein. Besonders interessant waren
die restlichen 5km über die "Stoßdämpfertöterallee",
die ganz nebenbei mit 80PS einen Irrespaß gemacht haben
und einem schon mal einen leichten Vorgeschmack auf das folgende
vermitteln konnten.
Endlich, mit durch die Anfahrt schon ausreichend erwärmten
Reifen
angekommen, wollte ich auch gar nicht viel Zeit verschwenden und
holte mir, nachdem ich erfreut festgestellt habe, wie wenig Betrieb
doch dort herrschte, die Karte für die erste Runde.

Mit dem Öffnen der Schranke wurden dann aber auch ganz plötzlich
wieder
Erinnerungen an meine letze Runde wach, die ich ja leider unfreiwillig
im Kiesbett vorm Schwalbenschwanz und nicht im Ziel beendet habe.
Egal, erst mal rauf auf die Piste
und Gaaaaaaaas!!! 2., 3. und 4. Gang
voll bis 12000 ausgedreht und im Abschnitt Antoniusbuche-Tiergarten
schon mal die erste mittlere Kompression beica. 170 erlebt. Leider
war die halbe Anfahrt zum Hatzenbach mit einer Formel 1 Tribüne
verbaut, sodaß man leider gezwungen war,
über einen Seitenweg wieder auf die Strecke zu gelangen.
Im Hatzenbach selber fiel mir - durch starke Unruhen bei ca. 140-150
in Schräglage in der ersten Rechts - erstmals mein wohl doch
nicht ganz rennstreckenkonformes Fahrwerk auf. Da ich wenigstens
nicht gleich am Anfang der Runde auf dem Hosenboden landen wollte,
hielt ich mich danach erst mal zurück. Diese Zurückhaltung
endete aber schlagartig ca. 500m später, als ich mit voll
ausgezwiebelten 5. Gang und ca. 180km/h Richtung Flugplatz knallte.
Auf der ersten Kuppe hob es mich etwas aus dem Sattel, aber ca.
50m
später wurde ich auch schon durch die bei ca. 190 in der
folgenden rechts-Senke
entstehenden leichten Kompressionen wieder in selbigen zurück
gedrückt.
Vor der nächsten Kuppe nahm ich dann etwas Gas weg, um mit ca. 160 den Flugplatz zu nehmen, der seinem Namen alle Ehre macht: Die gesamte Frontpartie wurde extrem leicht, ich blieb aber diesmal, weil ich mich mit den Oberschenkeln am Tank festklammerte, im Sitz, mußte dafür aber gegen heftiges Schlingern kämpfen. Bis Aremberg, wo ich das erste mal in dieser Runde an der Raste geflext habe (wurde aber auch langsam Zeit <g>), dann das erste mal in den 6. Geschaltet und die 200km/h Marke nur knapp verfehlt.
Ziemlich adrenalinfördernd war die letzte Links vor Aremberg,
die ich immerhin noch mit stolzen 170 und ziemlicher Schräglage
ging! In der Füchsröhre hatte ich diesmal ziemlich genau
195 drauf, wobei ich zudem noch merkte, wie es mir in der Senke
das Blut aus dem Hirn zog, was mit einem starken Schwindelgefühl
verbunden war, welches sich aber auch zum Glück gleich wieder
verzog.
Ausgang Adenauer Forst war die Zeit dann endlich reif für
einen Beschleunigungstest aus großer Schräglage, bei
dem mich meine ME Z1 gripmäßig auch nicht im Stich
ließen! Kallenhard (oder wie man das schreibt) schlug mir
infolge von Schräglage und lauter kleiner Mini-Bodenwellen
das Fahrwerk durch und ich setze mit Raste, Hauptständer,
Bremspedal und Auspuff auf, was obendrein durch wilde Fahrweksunruhen
untermalt wurde. Mal wieder ein Zeichen, daß die Bandit
kein Superbike ist, aber das vernachlässigen wir hier einfach
mal :o) Das Kesselchen (dreifach bergauf - Linkskurve) passierte
ich bis Klostertal dank der 80PS diesmal mit 170-175, wodurch
mir die Qualitäten dieser Passage doch schon um einiges deutlicher
geworden sind als mit den 34PS bedingten 130-140 der Vorjahre!
Von Hohe Acht über Wippermann bis zum Brünnchen hatte ich, wie in allen meinen vorherigen Runden auch schon, immer noch leichte Probleme mit demAnpassen der Geschwindigkeit und dem Finden einer guten Linie; also ließich es hier etwas ruhiger rollen! Im Brünnchen war ich dann naturgemäß zwei mal an der Raste und in der darauffolgenden Eiskurve habe ich mir mal wieder den Seitenständer und die Seitenständerbefestigung am Rahmen angehauen.
Blöde weiche Banditfedern!
Im Pflanzgarten habe ich mich durch
das Durchfahren dieser Passage mit knapp 140 mal wieder kurz schwerelos
gemacht. Einige Ecken später erwartete mich dann meine
"Lieblingskurve" mit dem schönen Kiesbett, was
ganz weich ist, wenn man
mit 120 den Kopf reinsteckt (ausprobiert!!!). Diesmal vermied
ich -aufgrund von bösen Erfahrungen- das anfahren dieser
Kurve mit übermütigen 150, sondern beschränkte
mich auf 130, was sich aber im Nachhinein sogar noch als etwas
zu langsam herausstellte. In der nächsten Runde schaffte
ich meine Crashkurve tatsächlich mit etwas über
120, was nun endlich beweist, daß ich damals nicht viel
zu schnell war, sondern die Kurve nur in einer besch**** Linie
angefahren bin, weshalb
mir dann am Ende die Straße ausgegangen ist. Sowas!
Auf eine genaue Beschreibung der 2. Runde, die sich insgesamt
zwar um einiges schneller aber nicht wesentlich spektakulärer
gestaltete, verzichte ich einfach mal und sage nur, daß
ich mir ein Wiedersehen mit dem Ring nicht viel schöner hätte
vorstellen können!
Den Weg nach Hause dehnte ich dann auf die längstmögliche
Variante, nämlich mit Umweg über die Wasserscheide und
Bad Münstereifel aus. Es ist einfach schön und ein mit
Worten kaum beschreibbares Gefühl, nach einer richtigen Andrückersession
am Ring ganz entspannt und gemütlich, einfach den Moment
genießend, über die leeren Eifellandstraßen in
den Sonnenuntergang hinein, nach Hause zu fahren.
Eigentlich ist es gerade das, was
ich mir früher immer unter Motorradfahren vorgestellt habe,
aber heutzutage fast nie in einer solchen Form, außer in
so seltenen aber schönen Augenblicken wie diesen, "erfahre".
In dieser ruhigen und besonnenen, ja ich will schon fast sagen romantischen Atmosphäre, wurde ich nur ein mal gestört, als mich auf einer Seitenstraße ganz frech eine ZRX 1200 überholte. Ohne großartig nachzudenken, entriß ich mich dieser schönen Stimmung, schaltete 2 Gänge runter und drehte den Hahn in alter Gewohnheit ganz auf um mich auf eine
Herbrennung der ZRX meinerseits vorzubereiten! Nachdem ich dann aufgeschlossen und ihr nach einer engen aber gut ausgebauten, ca. 100km/h schnellen Rechtskurve am Nummernschild klebte und schon fast zum symbolischen Überholen ansetzen wollte, erinnerte ich mich daran, daß ich ja heute schon meinen Spaß hatte und ließ sie, nicht zuletzt auch aus Führerscheinverlustangst, demonstrativ abziehen um meine besinnliche Heimfahrt fortzusetzen.
Auf der Autobahn verbriet ich dann den restlichen Heimweg mit
für das Fahren ohne jeglichen Windschutz zügigen 180-210,
ohne dabei auch nur einenGedanken an den Verschleiß meines
Hinterreifens, der nach der heutigen Tour sichtlich an Substanz
verloren hat, zu verschwenden :)
Alles in allem doch ein recht gelungener Feierabend, würde
ich sagen!
Wer nochwas über die "Grüne Hölle" erfahren möchte : www.nuerburgring.de